Zugfahrt Casablanca - Marrakesch
Wir haben unseren Saharaausflug gefunden und gebucht. Der Anbieter ist Sahara Services (http://www.saharaservices.info), hat eine hübsche Website und sieht sehr professionell aus. Zudem gibt es ein Angebot für 199 Euro auf die 3-Tage-Tour, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist und für den kleinen Preis ist die Fahrt, die Unterkunft, sowie das ganze Essen inklusive. Einzig Getränke muss man sich selbst kaufen, aber man trinkt eh nur Wasser und das ist spottbllig.
Die Tour geht freitags früh los, weshalb wir uns donnestags schon mit dem Zug in Richtung Marrakesch machen, dem Startpunkt der Rundreise durch die Sahara. Wir kaufen uns also unsere Tickets, leider für die zweite Klasse (9 Euro für über 200km!), die erste (14 Euro!) war schon ausverkauft und besteigen den klobigen marokkanischen Zug. Die zweite Klasse im Zug ist schon recht gefüllt und so müssen wir uns erst einmal in den Gang stellen. Die Position ist keine wirklich schöne, weil dauernd Leute vorbei wollen und unter diesen Leuten sind echte Schwegewichte von marrokanischen Frauen dabei, die noch dazu mit schwergewichtigem Gepäck auf dem Weg sind. Was es in der zweiten Klasse auch nicht gibt, dass ist eine Klimaanlage, es ist sauheiß, aber wir sind in Marokko und was macht der Marokkaner, wenn es im Zug zu heiß ist? Er macht bei voller Fahrt die Türen auf und lässt Luft durchziehen. Hallo liebe deutsche Bundesbahn, merkst du was?
Am ersten Halt haben wir Glück und es werden zwei Plätze frei für uns. Von da an ist die Fahrt eigentlich komplett entspannt. Abgesehen von dem Mann, der von seinem Handyspiel so begeistert ist, dass er es auf voller Lautstärke mit 8bit Sound spielt, der sich nah an der Schmerzgrenze bewegt. Auf der Seite der Schmerzgrenze, wo es schon weh tut wohlgemerkt. Glücklicherweise macht er immer wieder Pausen, die es dem geplagten Trommelfell ermöglichen sichzu erholen.
Marrakesch by Night und per Pedes
Wir kommen nach insgesamt 3 Stunden Fahrt in Marrakesch an und freuen uns darauf abgeholt zu werden und suchen im Bahnhof nach jemandem, der so aussieht als wollte er uns abholen. Die einzigen, die sich jedoch um uns reißen sind die Taxifahrer, die auf Touristenfang sind und die Hilfssheriffs vom bahnhof,d ie versuchen sie davon abzuhalten, jedoch mit mäßigen bis keinem Erfolg. Scheinbar muss man wirklich Polizist sein, damit irgendjemand Respekt vor einer Uniform hat. Wir gehen also noch mal im Bahnhof spazieren, probieren Geldautomaten aus, was auch immer wieder wie Lotterie spielen ist, da Geldautomaten eigens mit Zufallsgeneratoren ausgestattet sind, die einem sinnlose Fehler melden, von Karte gesperrt bis Geheimzahl falsch über "geht aus irgendeinem Grund nicht".
Dann endlich, nur 15 Minuten zu spät, steht unser Abholer mit unseren Namen im Bahnhof und entschuldigt sich, dass er zu spät ist. Er bringt uns zu einem Hotel, in dem unser Zimmer mit Klimaanlage, einem TV und einem parfürmierten Bad ausgestattet ist. Leider ist das Parfüm im Bad nicht wirklich gut, dafür geht der TV mit zwei Programmen. AV und AV-S; zweimal blaue Kanäle. Wer braucht schon Fernsehen? Die Klima funktioniert immerhin einwandfrei. Wir machen uns nach der kurzen Inspektion des Zimmers (karkerlakenfrei!) auf den Weg zum Jemaa al Fnaa, der wie wir erfahren, nur 45 Fußminuten durch das gut erwärmte Marrakesch entfernt ist.
Jemaa al Fnaa, die Aufmerksamkeit der Marokkaner und Feilschen um jeden Preis
Bei der Ankunft durstet es uns nach einem O-Saft und wir laufen auf einen der Stände zu, der aber gut besucht ist. Trotzdem wir noch über 50m weg sind hat der Saftpresser genau gesehen, dass wir seinen Stand als erstes ausgesucht haben und als wir uns zu einem anderen wenden wollen macht er auf sich aufmerksam mit winken und rufen, und dass wir auf keinen Fall woanders hingehen könnten. Wer kann da noch nein sagen, wenn man so aufmerksam beobachtet wird? Denn das muss man den Marokkanern lassen, wenn es ums Geschäft geht, dann sind sie extrem aufmerksam!
Nach der Erfrischung stürzen wir uns in den Souk und ich will Birgit zeigen wie man feilscht. Wir laufen ein wenig umher und sie entdeckt ein hübsches Hemd, dass ich auch gleich versuche zu ergattern. Der Verkäufer spricht sogar fließend deutsch, was jetzt aber eher ein Nachteil ist. Er beginnt mit einem Preis von 220 Dirham und in bester Manier entgegne ich ihm eine wohlgesonnene 100. Sein Preis ist natürlich ein extrem guter Preis, denn er schon extra niedrig angesetzt hat, sagt er uns und er kann auf keinen Fall runtergehen damit. Und schon mache ich den ersten Fehler und steigere meinen Preis. Das darf man nie nie nie tun. Ich sage ihm also 140 DH und er beginnt uns zu erzählen wie gut der Stoff ist und das es genau dieses Modell zum einen nur bei ihm gibt und zum anderen insgesamt nur fünf mal verkauft wurde und Birgit es quasi exklusiv und einzigartig tragen könnte, denn die anderen seien in Frankreich und Italien, aber sicher nicht in Deutschland. Ich weiß ansich, dass ich schon alles verloren habe und sage 160 um ihn doch noch runterzulocken, und schließlich gibt er uns das Teil für 190. Wenigstens ist es wirklich hübsch und wir bezahlen, gehen dann weiter über den Souk und keine 100 m weiter hängt das Hemd an einem anderen Stand in genau der gleichen Art. Voll reingefallen. So ein Schlitzohr!
Genugtuung gibt es wenigstens halbwegs als wir uns zum Abendessen von einem Tourifänger zu einem Restaurant auf einer Terasse überreden lassen, die einem sofort Menü mit allem Möglichen anbieten wollen. Das lange Gesicht des Kellners als wir die Karte bestellen ist Balsam für die ausgefeilschte Seele, dafür dürfen wir aber auch ruckzuck wieder gehen als wir fertig sind und machen uns dann auf die 45 Minuten zu Fuß nach Hause.